
Warum ich eine Campingplatz-Software baue
Ich bin Hape, und ich bin selbst Dauercamper. Unser Wohnwagen steht auf einem Platz bei Thedinghausen, und wie auf vielen Plätzen lief dort die Verwaltung lange über eine Excel-Liste. Dass ich heute eine Campingplatz-Software baue, hat mit genau diesem Platz zu tun, mit einem Freund, der mir einen Floh ins Ohr gesetzt hat, und mit einer ziemlich naiven Zeitplanung.
In 30 Sekunden:
- CampsiteHero ist eine Campingplatz-Software aus Deutschland. Sie entstand 2026 auf einem Platz bei Thedinghausen in Niedersachsen.
- Der Auslöser: Die bisherige Buchungssoftware des Platzes wurde zum 28. Februar 2026 eingestellt, kurz vor Saisonbeginn.
- Gebaut mit KI-Unterstützung, abgesichert mit denselben Regeln wie in einem Entwicklerteam: Tests, die grün bleiben müssen, und feste Code-Regeln.
- Der Leitspruch: Betroffene zu Beteiligten machen. Wer in der Beta dabei ist, bestimmt mit, was als Nächstes kommt.
Von der Excel-Liste zur Online-Buchung und zurück
Ich hatte unserem Platz geholfen, eine Online-Software einzurichten. Die Idee war einfach: Gäste sollten online buchen können, statt anzurufen. Das ist bequemer für die Gäste, und der Betreiber spart Zeit, weil nicht mehr jede Buchung von Hand in die Liste wandert.
Kaum lief alles halbwegs rund, kam die Nachricht: Der Anbieter CloudCamping stellt seine Software ein, zum 28. Februar 2026. Für einen Platz, dessen Saison im Frühjahr beginnt, ist das kein guter Zeitpunkt. Plötzlich stand die Frage im Raum: Und jetzt?
Ein Floh im Ohr
Diese Frage kam zu einem Zeitpunkt, an dem ich mir selbst eine gestellt habe: Wo soll meine Reise eigentlich hingehen? Ich programmiere seit fünfundzwanzig Jahren. Zuletzt habe ich in einem mittelständischen Unternehmen Abläufe digitalisiert, zum Beispiel ein Lager. Das hat mir Spaß gemacht. Gleichzeitig wuchs der Wunsch, meine Energie in etwas Eigenes zu stecken, das ich von Anfang bis Ende verantworte.
Dann erzählte mir ein Freund, wie er schon als Student etwas gewagt hat, trotz finanziellem Aufwand und Risiko. Irgendwann sagte er: „Das ist doch deine Chance. Du kennst Campingplätze, und dein Betreiber braucht gerade eine Lösung. Frag ihn, ob er mitmacht. Er bekommt dafür eine neue Software.“
Also habe ich ein Konzept geschrieben und es unserem Betreiber gepitcht. Er hat Ja gesagt.
Drei Monate. Dachte ich.
Mein Plan klang übersichtlich: Buchungen annehmen, Parzellen auf einer Karte platzieren, Rechnungen verschicken. Ein erster Prototyp, ein sogenanntes MVP (Minimum Viable Product), sollte in drei Monaten stehen, damit der Platz ihn schon in der Saison nutzen kann. Das war im Februar. Die Saison beginnt bei uns im April.
Heute weiß ich, was alles dazugehört: Datenschutz, Aufbewahrungspflichten, fortlaufende Rechnungsnummern, sichere Datenübertragung und vieles mehr. Wer als Betreiber schon einmal damit zu tun hatte, weiß, wovon ich rede. Ehrlich gesagt: Zum Glück wusste ich das damals noch nicht. Sonst gäbe es CampsiteHero heute vielleicht nicht. Von diesen Etappen erzähle ich in eigenen Beiträgen.
Einen Vorteil hatte ich von Anfang an: Ich kannte den Alltag auf dem Platz aus nächster Nähe, als Dauercamper und als derjenige, der die Online-Buchung eingerichtet hatte. Ich wusste, was dem Betreiber im Alltag hilft und was ihm fehlt. Dazu kamen eine Marktanalyse und viele Konzeptseiten, bevor die erste Zeile Code entstand.
Die Wette mit der KI
Zu einer Software, die Buchungen verwaltet, gehört mehr als das Programm: Server, Firewalls, Backups, die ganze Infrastruktur dahinter. Webentwicklung ist mein Handwerk. Server und Infrastruktur waren es damals nicht, das habe ich mir erarbeitet. Genau da kam eine Frage ins Spiel, die viele Menschen mit gemischten Gefühlen sehen: Was kann künstliche Intelligenz?
Bevor ich mich festgelegt habe, habe ich es ausprobiert. In einem dreitägigen Hackathon habe ich mit KI-Assistenten wie Claude und ChatGPT eine kleine Web-Anwendung gebaut, mit Server, Schnittstellen, Oberfläche und Geschäftslogik. Das Ergebnis hat mich überrascht. Die KI war schnell, an vielen Stellen richtig gut, und für einen Moment dachte ich: Jetzt bin ich meinen Job los.
Nach ein paar langen Gesprächen mit Freunden habe ich die Wette erhöht: Ich baue CampsiteHero nicht gegen die KI, sondern mit ihr. Einfach war das nicht. Die KI macht Fehler, und es gab Momente, in denen ich ziemlich laut mit meinem Bildschirm geredet habe. Die Lösung war dieselbe wie in jedem guten Entwicklerteam: klare Regeln.
- Erst der Test, dann der Code. Bevor eine Funktion entsteht, beschreibt ein Test, wie sie sich verhalten soll. Jede spätere Änderung muss diesen Test bestehen. So merken wir sofort, wenn etwas kaputtgeht, das vorher funktioniert hat.
- Feste Code-Regeln. Wie Code aussieht und aufgebaut ist, steht in einem Leitfaden, an den sich die KI genauso halten muss wie ein Mensch im Team.
Die KI ist mein Werkzeug. Die Verantwortung trage ich. Und unsere Server stehen heute in einem Rechenzentrum in Nürnberg, mit stündlichen Backups.
Betroffene zu Beteiligten machen
Natürlich träume ich davon, dass aus CampsiteHero etwas Großes wird. Eine Vision muss man haben. Das Ziel war aber von Anfang an ein anderes: Unser Betreiber sollte eine Software bekommen, die ihm Arbeit abnimmt und mit der er gern arbeitet.
Mein Leitspruch dafür lautet: Betroffene zu Beteiligten machen. Wer mit einer Software arbeiten muss, soll mitreden. Deshalb haben wir uns schon im ersten Gespräch ein Prinzip gegeben: Wenn bei einer Entscheidung nicht klar ist, ob Variante A oder B besser für den Betreiber ist, bauen wir einen Schalter ein. Dann entscheidest du, nicht wir. Das geht nicht überall. Manchmal passen nicht beide Varianten in die Software, und manchmal gibt das Gesetz den Weg vor. Aber an vielen Stellen klappt es, und das ist besser als „Friss oder stirb“.
Deshalb ist mir auch Offenheit wichtig. Ich möchte hören, was an CampsiteHero gut ist und was nicht, damit ich es besser machen kann. Wer jetzt in die Beta kommt, bestimmt mit, was als Nächstes gebaut wird.
Wo wir heute stehen
Jetzt, im September 2026, haben wir einen Stand erreicht, auf den ich stolz bin. Für Urlaubsgäste ist schon sehr viel drin. Ausgerechnet Dauercamper, also Leute wie mich, unterstützen wir noch nicht.
Ich freue mich darauf, CampsiteHero jetzt auch anderen Plätzen zu zeigen. Ich bin gespannt, und ich habe Respekt davor. Und die drei Monate aus meinem ersten Plan? Mein Gott, war ich naiv.
Mach mit: Wenn du einen Campingplatz führst und mitreden willst, sichere dir einen Platz in der Beta.
Häufige Fragen
Wer steckt hinter CampsiteHero?
Hape, ein Entwickler mit fünfundzwanzig Jahren Erfahrung, der selbst Dauercamper ist, und ein Campingplatz bei Thedinghausen, der die Software von Anfang an mitgestaltet.
Warum gibt es CampsiteHero?
Weil die Buchungssoftware unseres Platzes Anfang 2026 eingestellt wurde und ich eine Software bauen wollte, die Betreiber im Alltag wirklich entlastet.
Wird CampsiteHero mit KI entwickelt?
Ja, mit KI-Unterstützung. Dabei gelten dieselben Regeln wie in einem Entwicklerteam: Tests sichern ab, dass Funktionen so arbeiten wie beschrieben, und der Code folgt festen Vorgaben. Die Verantwortung liegt bei mir.
Unterstützt CampsiteHero Dauercamper?
Noch nicht. Für Urlaubsgäste ist schon sehr viel drin.
Kann ich mitbestimmen, was als Nächstes kommt?
Ja. Wer in der Beta dabei ist, bestimmt mit, was als Nächstes gebaut wird.